Die Gretchenfrage, das Cusanuswerk und die Studienstiftung

Disclaimer

In meiner Studienzeit wurde ich durch das Cusanuswerk, das Begabten-Förderungswerk der katholischen Kirche, sowie durch die Studienstiftung des deutschen Volkes finanziell wie ideell unterstützt. Das Cusanuswerk möchte nicht, dass sich einzelne Stipendiat*innen stellvertretend in seinem Namen äußern. In den sog. Hinweisen für Stipendiatinnen und Stipendiaten heißt es:

Jeder ist für seine Äußerungen grundsätzlich persönlich verantwortlich. Stipendiatinnen und Stipendiaten des Cusanuswerks können Meinungsäußerungen ausschließlich im eigenen Namen veröffentlichen und dürfen sich dabei nicht auf die Zugehörigkeit zur Bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk beziehen. Dies gilt für schriftliche Stellungnahmen wie für Meinungsäußerungen gegenüber Medien und in anderen öffentlichen Zusammenhängen. Stipendiatinnen und Stipendiaten dürfen weder individuell noch als Gruppe als Repräsentanten des Cusanuswerks in Erscheinung treten. Offizielle Statements geben nur die dafür von der Leitung des Cusanuswerks autorisierten Personen ab.

Hiermit sei also darauf hingewiesen, dass ich mit dem Ende meiner Studienzeit inzwischen aus der Förderung des Cusanuswerks ausgeschieden bin. Sämtliche Äußerungen veröffentliche ich somit nicht als Stipendiat sondern privat und als Alt-Cusaner. Selbiges gilt auch für meine Äußerungen zur Studienstiftung, auch wenn es meines Wissens nach von dieser Seite aus keine solche Einschränkungen an die Veröffentlichungen Geförderter gibt. Nachdem das geklärt ist: Los gehts!

Carlo, wie hältst du’s eigentlich mit der Gretchenfrage?

Seit meinem Abitur wurde ich immer wieder und von den verschiedensten Personen gefragt, wie das geht: Wie kann ich gleichzeitig Physik studieren und dazu noch Geld von der katholischen Kirche erhalten? Schließt sich das nicht aus? Habe ich denn vergessen, was mit Galileo, was mit Giordano Bruno passiert ist? Und darüber hinaus: Wie verträgt sich das mit der Förderung der (angeblich ideologiefreien) Studienstiftung? Das passt doch alles nicht so ganz zusammen. Mit einigen Jahren Abstand zum Ende meiner aktiven Förderungszeit blicke ich zurück und stelle mir noch einmal diese Fragen. Dieser Blog-Post ist ein Abriss der Förderzeit und eine Antwort an alle, die sich nun selbst oben genanntes fragen. Aber der Reihe nach.

Mein Abitur und die Bewerbung um Stipendien

Wir befinden uns im Sommer 2016 (zehn lange Jahre ist es her!), ich habe nach einem standesgemäßen Mallorca-Urlaub mit meinem Dunstkreis aus der Schule gerade freudig mein Abiturzeugnis entgegengenommen und plane, wie es weiter gehen soll. Während die (ebenfalls) partyfreudige Hälfte meiner alten Stufe am Dortmunder Phoenixsee, im alten Weinkeller oder der inzwischen der Pandemie zum Opfer gefallenen Diskothek Daddy Blatzheim den “Letzten Sommer in Freiheit” genießt, habe ich noch ein paar Klausuren an der Uni zu schreiben: Physik IV (Quantenmechanik in Theorie und Experiment), numerische Mathematik und Allgemeine Relativitätstheorie stehen noch bis Oktober auf dem Plan. Von außen betrachtet klingt das sicherlich ziemlich dämlich. Wer lernt schon freiwillig Mathe nach den Mühen des höchsten deutschen Schulabschluss? Nun ja. Ich anscheinend. Wie es dazu kam und vor allem warum, soll das Thema eines anderen Posts sein. Die Kurzfassung lautet jedoch so: In der neunten Klasse habe ich meinen ehemaligen Physiklehrer wegen einer Kleinigkeit und in aller Bescheidenheit korrigiert. Blöd nur, dass es sich um Teilchenphysik und damit um sein Steckenpferd handelte. Kein Jahr später saß ich schon in meiner ersten Physikvorlesung. Entgegen anfänglicher Vorbehalte habe ich dann auch noch die Klausur zum Semesterende mitgeschrieben und nicht so schlecht abgeschnitten, wie von mir selbst erwartet. Es folgten vier Semester Physik, die ich während der elften und zwölften Klasse absolvierte. Damit kommen wir zur Ausgangslage: mit einem Einser-Abitur in der Hand und ein Ass im Ärmel für die geplanten Bewerbungen um Stipendien zur Finanzierung meines weiteren Studiums begebe ich mich auf die Internet-Recherche.

Diese ergab das folgende Bild: In Deutschland gibt es eine ganze Reihe von Stipendien für Studierende. Allen voran stehen die 13 großen Begabtenförderungswerke: Das (muslimische) Avicenna Studienwerk, das (katholische) Cusanuswerk, das (jüdische) Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk, das (evangelische) Studienwerk Villigst, die (SPD-nahe) Friedrich Ebert Stiftung, die (FDP-nahe) Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit, die (Gewerkschafts-nahe) Hans Böckler Stiftung, die (CSU-nahe) Hanns Seidel Stitung, die (Grünen-nahe) Heinrich Böll Stiftung, die (CDU-nahe) Konrad Adenauer Stiftung, die Stiftung der deutschen Wirtschaft sowie die (unabhängige) Studienstiftung des deutschen Volkes. Bla bla bla. Da ich politischen Stiftungen grundsätzlich kritisch gegenüberstand, nicht besonders Wirtschafts-affin und weder evangelisch, jüdisch noch muslimisch bin oder war, kamen zwei Stipendien in Frage: Das des Cusanuswerks und das der Studienstiftung. Mit der Hilfe meiner nun ehemaligen Schule stellte sich die erste Runde der jeweiligen Bewerbungsverfahren glücklicherweise als machbar heraus. Doch dann wurde es kniffeliger. Das Cusanuswerk lud mich zum Auswahltermin ein.

In Bonn warteten im Oktober 2016 drei Gespräche auf mich: Zunächst ein Gespräch über meinen bisherigen Lebenslauf und mein angestrebtes Studium (das war einfach – dazu konnte ich ja schon ein bisschen mehr erzählen als die durchschnittliche Bewerberin oder der durchschnittliche Bewerber), dann eine kleine Diskussion mit einem anderen Bewerber (der lustigerweise ebenfalls letztendlich aufgenommen wurde – wir haben ziemlich gut harmoniert, uns die Bälle gegenseitig zugeworfen und uns später in Aachen wiedergetroffen) sowie ein Gespräch zu meinem Glauben. Au weia. Darauf hatte ich mich vorbereitet. Ziemlich intensiv sogar. Ich hatte sogar Wochen vorher noch zusammen mit einer befreundeten anderen Bewerberin ein kleines Manifest dazu geschrieben, warum der Katechismus irgendwie doch noch gerade so ganz gut mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen klar kommt. Im Gespräch mit dem Hochschulpastoral, umrahmt von einer Unzahl von (entschuldigt meinen ketzerischen Unterton:) Jupps an Metall- und Holzkreuzen sowie einer lebensgroßen Aufnahme von Ratzingers Gesicht an der Wand, zusammen mit ein paar frommen Psalmen auf dem Tisch platzte es nur so aus mir hervor: Nachdem ich zwei Minuten vor mich hin gestammelt hatte, wollte ich noch einmal neu in das Gespräch starten. Und das durfte ich auch. Ich kotzte mich förmlich aus über die Ungerechtigkeiten in der katholischen Kirche, über den fragwürdigen Einfluss in der Welt, die unzureichende Hilfe der Weltkirche im Bezug auf ertrunkene Geflüchtete im Mittelmeer. Es ging weiter mit meiner Sicht als Naturwissenschaftler auf die Zerwürfnisse in Glaubensfragen und wie ich wohl zu dem Glauben Einsteins stehen würde. (Letzteres ist übrigens immer noch ein Faszinosum für mich.) Am Ende bescheinigte man mir mit einem wohlwollenden Lächeln, “noch auf der Suche zu sein”. Allerdings, dachte ich und stimmte zu, in der festen Annahme, dass es dann wohl nichts mit dem Stipendium würde. Doch weit gefehlt. Kurz darauf erhielt ich Post aus Bonn mit allerlei Formularen, die den Beginn meiner Zeit als Cusaner darstellen sollten.

Im Januar 2017 wurde ich daraufhin von der Studienstiftung eingeladen. Ich erschien dort im Gegensatz zu den meisten anderen Bewerber*innen nicht mit Schlips und Kragen sondern in einem äußerst gemütlichen Pullover, der mehr als nur drei Löcher für Kopf und zwei Arme hatte. Den Vortrag, den ich dort zu halten hatte und der über mein Schicksal als Stipendiat entscheiden sollte, bereitete ich im Zug zu dem Auswahl-Wochenende in Cochem an der Mosel vor. Letztendlich entschied ich mich (auch in diesem Punkt zugegebenermaßen: gewagterweise) dafür, einen TED-talk zu imitieren. Wer diese nicht kennt, der und dem seien Folgendes dazu gesagt: Es handelt sich um kurze, rhetorisch hervorragend vorbereitete Vorträge zu beinahe beliebigen, doch allgemeinverständlichen Themen, die vor Publikum aufgenommen werden und dann auf YouTube landen. Das Thema meines Vortrags war das Spenden an wohltätige Organisationen im Rahmen des sog. “Effektiven Altruismus”. Zur anschließenden Diskussion bastelte ich vier kleine Körbchen und gab jeder teilnehmenden Person einen 10 €-Schein in die Hand. Es sollte gemeinsam entschieden werden, welcher der vier Organisationen (vertreten durch die Körbe) welcher Geldbetrag überweisen werden sollte. Darüber hinaus hatte ich noch zwei weitere Interviews: eines geführt durch einen Biologie-Doktoranden, dem ich schließlich noch seine Fragen zur Röntgen-Beugung in biologischen Medien erklären konnte, und einem ehemaligen Philosophie-Studenten, der seit mindestens 30 Jahren in Unternehmen arbeitete. Letzterer interessierte sich besonders dafür, wie ich einerseits an Metal-Musik, andererseits an Klassik und Jazz interessiert sein könnte und nannte mich (heute würde man es Cringe nennen) eine coole Socke. Meine ich-habe-hier-nichts-zu-verlieren Einstellung war erfolgreich, wie ich ein paar Tage später abermals am Inhalt meines Briefkastens überprüfen konnte.

Zusammengefasst kann ich also anekdotischer Evidenz nach folgenden Tipp zur Bewerbung bei den beiden Werken geben: Wer wagt, gewinnt. Gerade bei der Studienstiftung würde ich außerdem noch darauf hinweisen, dass Diskussionen à la Impf-Pflicht Ja/Nein, Pränataldiagnostik Ja/Nein, Parteienverbot Ja/Nein alle auf den ewigen Diskurs Freiheit gegen Sicherheit reduziert werden können. Ich würde davon ausgehen, dass daher irgendjemand sicherlich einmal den (m.M.n. sinnvollen) Punkt einbringen wird, dass sich die Diskussionen alle wiederholen und am Ende moralische Entscheidungen ausschlaggebend sind. Ich habe es als oftmals viel interessanter erlebt, dann direkt über diese ethischen Themen zu sprechen. Die Kunst besteht meiner Meinung nach dann darin, der Diskussion Raum zu geben, schlussendlich aber zu einem konkreten Resultat zu kommen.

Glaubenswandel im Cusanuswerk

Aufgenommen in beiden Werken musste ich mich entscheiden: Lasse ich mich vom Cusanuswerk oder der Studienstiftung finanziell fördern? Die Entscheidung dafür war recht einfach: Eine finanzielle Förderung durch das Cusanuswerk schließt eine ideelle Förderung durch die Studienstiftung nicht aus, andersrum funktioniert es allerdings nicht. Explizit bedeutet das: Wer jeden Monat Geld vom Cusanuswerk erhält, kann eine Vertrauensdozentin der Studienstiftung in Anspruch nehmen; wer Geld von der Studienstiftung erhält, kann jedoch nicht zur Jahrestagung des Cusanuswerks. Also entschied ich mich für die Kombination, die es mir erlaubte, die Förderung beider Werke zu genießen. Das bedeutete zwar doppelt so viele Semesterberichte, aber auch doppelt so viele Kontakte zu interessanten Menschen. Ungeachtet meiner eher unorthodoxen (Verzeihung dafür) religiösen Einstellungen zu der Zeit, hätte ich jedoch auch fast das Angebot der Studienstiftung ausgeschlagen: Als ich mitbekam, dass Menschen wie die RAF-Gründungsmitglieder oder aber auch AfD Bundestagabgeordnete zu den ehemaligen Geförderten zählen, wurde mir doch kurz etwas anders. Auf Nachfrage hat sich dann die Geschäftstelle der Studienstiftung dann so geäußert, dass man eben Ideologie-frei sei und damit dann eben auch Randmeinungen gerne vertreten würden; es ginge ja ohnehin mehr um die Leistungsbereitschaft. Ah ja. Soviel zu dem (etwas preußisch klingenden) Dreiklang: Leistung, Initiative, Verantwortung. Verantwortung und Initiative schließen eben auch politischen Extremismus nicht aus.

Es hatte mich erschreckt aber letztendlich dann auch nicht ab-geschreckt. Heute bin ich sowohl der Studienstiftung als auch dem Cusanuswerk des Dankes verpflichtet: Obgleich ich mich dem Cusanuswerk dank der vielen touchy-feely Begegnungen mit anderen Cusaner*innen auf Ferienakdemien etwas mehr verbunden fühle als der Studienstiftung, der ich vor allem den Kontakt zu meiner großartigen Vertrauensdozentin in Dortmund zu verdanken habe, die mir im zarten Alter von 20 Jahren eine Quarter-Life crisis bescheinigte, bin ich doch im großen und ganzen extrem zufrieden damit, wie sich die Art der Förderung ergänzt hatte. Cusanuswerk: Spiritueller Input, Lebensfreu(n)de, die Cusiliste, immer Bahn-Gutscheine zur Hand, Gänsehaut beim Singen von “Wäre Gesanges voll unser Mund” und (natürlich) auch die Studienkostenpauschale; Studienstiftung: Ein deutlich größeres Netz an Stips auch an der “kleinen” Dortmunder TU, Kontakt zu Physik-Profs, die an spanennenden Themen arbeiten, sowie die m.M.n. spannenderen politischen Diskussionsrunden. Letzteres liegt wohl daran, dass die Studienstifung durchaus diverser besetzt ist als das doch eher hipster-grün-bis-bayerisch-katholische Cusanuswerk – am Ende sind ja doch alle auch katholisch dort, da wird es schwierig alles abzudecken.

Was das Cusanuswerk in mir angestoßen hat, war in jedem Falle jedoch ein sehr reflektierter Umgang mit der eigenen Spiritualität, der dann kurz nach Ende der Förderung in meinem Austritt aus der katholischen Kirche mündete. (Badum Tzz!) Teilweise ist das immer noch ein Tabu-Thema im Cusanuswerk und ich versuche mein bestes, das Thema aus dem Abseits zu ziehen. Aber in jedem Fall bin ich dem Cusanuswerk dankbar, allein schon für das Vokabular, mit dem es mich ausgestattet hat. Heutzutage ist mein Rant auf das himmlische Bodenpersonal um einiges fundierter als noch damals beim Auswahlgespräch. Und ich bin doch auch froh, die ein oder andere Meinung im Laufe der letzten zehn Jahren revidiert haben zu können. Heute denke ich jedenfalls, dass Religion einen großen Stellenwert hat und auch zurecht hat: Es ist zutiefst menschlich, sich Fragen zu stellen, die über einen selbst hinaus gehen. Womit ich mich jedoch immer noch nicht gut anfreunden kann, sind vorgegebene Antworten auf diese Fragen. Erstaunlicherweise sehen das die allermeisten Cusi-Freunde von mir genauso, kommen dann aber mitunter zu völlig anderen Schlussfolgerungen.

In den letzten Jahren hat sich mein Verhältnis zur Religion dann nochmal ein wenig weiterentwickelt: Wenn man 5 Tage die Woche “Shut up and calculate” (Zitat: David Mermin, 1989) betreibt, um in den Wirren der Quantenmechanik nicht unterzugehen, dann aber noch die verbliebenen 2 Tage jede Woche versucht, doch nochmal etwas über den Tellerrand zu blicken und den naturwissenschaftlichen Reduktionismus in ein Glaubensgebäude einzubauen, kommt man bei interessanten Schlussfolgerungen heraus. Zumindest war das bei mir so. Heute bin ich mir ziemlich sicher, dass wir die meiste Zeit komplett aneinander vorbei reden, wenn wir über den Freien Willen philosophieren, wenn wir versuchen, diesen mit der Deterministik der klassichen Physik in Verbindung zu setzen und wenn wir uns darüber Gedanken machen, warum Quantenmechanik gerade nichts mit Willensfreiheit zu tun hat. Doch auch dazu ein anderes mal im Detail. An dieser Stelle sei nur gesagt, dass meine Schlussfolgerungen nach 10 Jahren Physik an diversen Unis nicht kompatibel sind mit dem klassischen Glauben daran, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied sei. Glücklicherweise habe ich dann in den richtigen Momenten Kontakt mit den richtigen Menschen gehabt, sodass mich diese unglückliche Fügung nicht in den Nihilismus gestürzt hat. Heute bin ich ganz froh darüber, all diese Gedanken durchgespielt zu haben und auf die Frage “bist du religiös?” mit beliebig ausführlichen Beschreibungen antworten zu können, woran ich glaube und woran nicht. Das hat die Studienstiftung so nicht geschafft. Musste sie auch nicht. Und dennoch macht es mich dem Cusanuswerk verbundener.

Und heute?

Heute ist mein Kontakt zu beiden Förderwerken immer noch vorhanden. So schnell werden sie mich nicht los. Für das Cusanuswerk, oder sagen wir lieber: für die lieb gewonnenen Cusis, habe ich mich zuletzt noch im Bademantel in einem Schlösschen in den Niederlanden auf eine Bühne vor 1000 Leute gestellt um dort ein Video zu zeigen, welches mich eine Flaschenpost aus der Badewanne ziehen lässt. Hintergrund war, dass ich zusammen mit ein paar anderen Vögeln, die sogenannte Wewo (Werkwoche) organisiert habe, die jedes Jahr knapp 100 Cusis (plus Anhang) einen einwöchigen, rauschenden Start ins neue Jahr beschert. Darüber hinaus, bin ich fürs Cusanuswerk gerne auf Ferienakademien als Referent für Physik-Themen unterwegs. Für die Studienstiftung habe ich vor einigen Wochen erst wieder das zweite Mal schon in einem Auswahlgremium gesessen, dass zukünftige Stipendiat*innen finden soll. Warum das ganze? “Etwas zurückgeben zu wollen” ist die kürzeste Antwort. Die längere Antwort wäre: Weil ich mit Cusis und anderen Stips immer noch die spannendsten Diskussionen meines Lebens geführt habe und führe; weil es mir das Gefühl gibt, selbstwirksam in der Gesellschaft zu sein, während ich ansonsten zu wenig Einfluss habe um die großen Themen maßgeblich beeinflussen zu können; und auch: weil sich jede Veranstaltung auch immer ein bisschen nach zuhause anfühlt, nach den letzten 10 Jahren. Es ist schön immer wieder da zu sein.

Bademantel-Action mit Cusis

Eigentlich wäre es sinnvoll, diesen Text noch mit einer positiven Note zu beenden, die motivieren soll, sich zu bewerben. Dass das deutsche Stipendiensystem aber nicht allen offensteht, ist mir auch bewusst. Das wäre Häme. An dieser Stelle möchte ich deswegen, lieber nochmal darauf verweisen, dass es auch Organisationen gibt, die Orientierungshilfe im deutschen Stipendiendschungel geben (die Liste der 13 großen Werke oben war ja erst der Anfang): Schaut doch mal auf https://www.applicaid.org nach, ob ihr dort nicht etwas spannendes findet!

In diesem Sinne: Auf dass wir unsere Lücke finden und glücklich in ihr sind!

Galigrü, Euer Carlo.

Geschrieben am 28. April 2026